Sorgen machen: Wenn Gedanken Probleme größer machen
Aktualisiert: 9. Sept.
Kurze Impulse für den Alltag – Impuls #3
Sorgen machen
Unser Alltag steckt voller kleiner Momente, Gedanken und Begegnungen. Mit meiner Serie „Kurze Impulse für den Alltag“ möchte ich kleine Denkanstöße geben, die dazu einladen, genauer hinzuschauen, Gewohntes zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entdecken.

Wenn aus einem Gedanken immer mehr wird
Eine herausfordernde Situation liegt vor uns und schon beginnen die Gedanken:
Was, wenn es nicht funktioniert? Was, wenn etwas schiefgeht? Was mache ich dann? Und was, wenn....?
Aus einer Situation werden im Kopf plötzlich mehrere mögliche Probleme.
Wir denken voraus, spielen Szenarien durch und versuchen abzuschätzen, was passieren könnte. Das kann sich zunächst so anfühlen, als würden wir uns aktiv mit einer Lösung beschäftigen.
Doch über ein Problem nachzudenken und sich Sorgen zu machen, sind nicht dasselbe.
„Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und mache in dieser Zeit ein Nickerchen.“– Abraham Lincoln
So humorvoll der Satz klingt, steckt darin ein interessanter Gedanke: Sich Sorgen zu machen bringt uns einer Lösung nicht näher.
Wenn Sorgen das Problem größer machen
Manche Situationen sind schwierig. Manche Probleme müssen gelöst werden und manche Unsicherheiten lassen sich nicht einfach ausblenden.
Doch zu dem eigentlichen Problem kommt durch unsere Sorgen häufig noch etwas hinzu: all das, was möglicherweise passieren könnte.
Wir gehen negative Entwicklungen im Kopf durch, beschäftigen uns mit Dingen, die noch gar nicht eingetreten sind und denken dieselben Szenarien immer wieder weiter.
Das eigentliche Problem hat sich dadurch vielleicht überhaupt nicht verändert.
In unseren Gedanken ist es aber längst größer geworden.
Manchmal ziehen wir eine schwierige Situation dadurch unnötig in die Länge. Manchmal entsteht Stress wegen etwas, das später ganz anders kommt. Und manchmal beschäftigen wir uns mit Problemen, die letztendlich überhaupt nicht eintreten.
Die Gedanken und die Kraft, die wir dafür aufwenden, fehlen uns möglicherweise genau dort, wo sie hilfreicher wären: bei der Suche nach einer guten Lösung.
Wir „machen“ uns Sorgen
Interessant ist schon unsere Sprache.
Wir sagen nicht nur, dass wir Sorgen haben.
Wir sagen auch: Ich mache mir Sorgen.
Natürlich entscheiden wir nicht immer bewusst, wann ein sorgenvoller Gedanke auftaucht. Und genauso wenig können wir jede Situation kontrollieren.
Aber wir können uns fragen, was wir aus diesem ersten Gedanken machen.
Denken wir ihn immer weiter? Stellen wir uns bereits den schlimmsten Ausgang vor? Oder richten wir unsere Aufmerksamkeit darauf, was tatsächlich gerade vor uns liegt?
Sich weniger Sorgen zu machen bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren.
Es bedeutet, zwischen dem zu unterscheiden, was tatsächlich passiert – und dem, was bisher nur in unserer Vorstellung existiert.
Was, wenn es auch gut ausgehen kann?
Vielleicht kommt dabei schnell der Gedanke:
Wenn ich mir einen positiven Ausgang vorstelle, mache ich mir dann nicht etwas vor?
Doch wenn wir nicht wissen, wie eine Situation ausgehen wird, kennen wir weder den positiven noch den negativen Ausgang.
Wenn wir uns also vorstellen können, was alles schiefgehen könnte, können wir uns genauso fragen:
Was, wenn es gut läuft?
Was, wenn ich eine Lösung finde? Was, wenn die Situation weniger schwierig wird als erwartet? Was, wenn ich gut damit umgehen kann, selbst wenn nicht alles nach Plan läuft?
Eine positive Sichtweise ist keine Garantie dafür, dass alles gut ausgeht.
Genauso wenig ist unsere Sorge ein Beweis dafür, dass etwas schlecht ausgehen wird.
Der Unterschied liegt vielmehr darin, was unsere Gedanken mit uns im Hier und Jetzt machen.
Mehr Kraft für das, was wir beeinflussen können
Sorgen können viel Aufmerksamkeit und Kraft beanspruchen, ohne dass sich dadurch etwas an der Situation verändert.
Ein lösungsorientierter Blick richtet diese Energie stattdessen auf die Frage:
Was kann ich jetzt konkret tun?
Gibt es etwas, das ich beeinflussen kann? Dann kann ich aktiv werden, Informationen sammeln, eine Entscheidung treffen oder den nächsten Schritt gehen.
Gibt es im Moment nichts, was ich tun kann? Dann wird auch weiteres Sorgen die Situation nicht verändern.
Denn Sorgen machen ist keine aktive Gestaltung der Zukunft.
Unser Handeln schon.
Ein kleiner Impuls für heute
Wenn du heute merkst, dass du dir Sorgen machst, schau einmal genauer hin:
Was ist gerade tatsächlich das Problem – und was habe ich in meinen Gedanken bereits daraus gemacht?
Vielleicht hilft dir anschließend eine zweite Frage:
Was davon kann ich jetzt beeinflussen?
Wenn du etwas tun kannst, richte deine Aufmerksamkeit auf den nächsten Schritt.
Und wenn du gerade nichts tun kannst, darfst du deine Kraft vielleicht für den Moment an anderer Stelle einsetzen.
Denn nicht jedes mögliche Problem braucht heute schon eine Lösung.
Sorgen verändern die Zukunft nicht. Wie wir mit dem umgehen, was vor uns liegt, schon.




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